Halali!
Heute im Feed von tagesschau.de:

Das Organ der CDU-Landesregierung meldet…

Die kostenlosen Söldner von der Bundeswehr
Von einer tollen Idee berichtet uns der NDR – wie immer sehr investigativ, voller Hintergrundinformationen und völlig neutral… vor allem das Bild, das wohl aus einer Rekrutierungsbroschüre stammen muss…

Das ist doch noch mal was Neues: Deutsche Privatfirmen bekommen demnächst wohl auch an Bord kostenlose Security vom Staat gestellt. Firmen, die ihre Schiffe aus Kostengründen noch nicht einmal unter deutscher Flagge segeln lassen, müssen keine kostspieligen Söldner zum Schutz derselbigen anheuern, wenn wieder mal die nervigen Afrikaner, die unter all den ihnen offenstehenden Bildungswegen ausgerechnet die Piratenkarriere gewählt haben, zum Entern längsseits gehen.
Als Reederei wendet man sich da einfach an den Staat, welcher nach einigen erfolgreich lancierten (und natürlich von niemandem hier nachzuprüfenden) Meldungen à la “Deutsche Marine schlägt Piraten in die Flucht!” weiterer Imagefördererung gar nicht so abgeneigt ist – natürlich auf Kosten des Steuerzahlers.
Wie immer wird all dies vom NDR im Rahmen des “hochwertigen, kritischen Journalismus’” (siehe unten) sofort knallhart als Skandal erkannt, wie der Text es ja… äh leider nicht wiedergibt.
Nachtrag: Dazu passt folgende AP-Meldung:
Wirtschaft dankt für Auslandseinsätze
Celle (AP) Hochrangige Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Militär…
…eine nicht ganz neue Mixtur…
…haben beim dritten «Celler Trialog» gemeinsam um Akzeptanz für die Auslandseinsätze der Bundeswehr geworben. [...]
Der Aufsichtsratvorsitzende der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, lobte Bundeswehreinsätze zur Sicherung von Handelswegen. «Die Wirtschaft und die Reeder sind dankbar dafür, dass Transportwege durch die Bundeswehr sicher gemacht und geschützt werden», sagte er.
Ja, die Banken können sich auf Schutz durch den Staat wirklich in jeder Hinsicht verlassen.
Für unsichere Transportwege, auf denen Schiffe gekapert werden könnten, hätten am Ende auch die deutsche Verbraucher zu zahlen.
Diese Behauptung wird natürlich mangels Möglichkeiten nicht erläutert. Hauptsache, die Steuermillionen fließen weiter in den Marineeinsatz. Ausgedealt wird dies folgendermaßen:
Am dritten «Celler Trialog» nahmen 160 hochrangige Vertreter der Wirtschaft, der Politik und der Bundeswehr teil, darunter Commerzbank-Chef Martin Blessing, BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und zahlreiche hochrangige Generäle. Die Presse war bei der zweitägigen Veranstaltung nur für zwei Stunden zugelassen.
Diese wurden aber – dank Multiplikatoren wie dem NDR – wenigstens erfolgreich für Propaganda genutzt.
Die große Bedeutung des hochwertigen Journalismus’ à la NDR
So definiert man wohl Selbstbeweihräucherung:
“Auf die große Bedeutung von hochwertigem Journalismus gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat NDR Intendant Lutz Marmor am Sonnabend, 6. Juni, [...] hingewiesen. “Die Menschen suchen nach Orientierung, nach verlässlichen Informationen und kritischer Berichterstattung“, sagte Marmor in seiner Grußadresse an die mehreren hundert Kongressteilnehmer, die sich in den Konferenzräumen des NDR eingefunden hatten.[...] Für den NDR kündigte Intendant Marmor neue Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur weiteren Verbesserung der Recherchequalität an.
“Nur durch Recherche entsteht ein echter Mehrwert für die, die uns lesen, hören oder sehen”, so Marmor. “Sie ist das Fundament journalistischer Berichterstattung, zugleich das Unterscheidungsmerkmal von Journalismus und Geplapper – oder auch Getwitter.” Marmor bekannte sich zum Qualitätsjournalismus, der essentiell für die Demokratie sei. [...] “Guter Journalismus kann im Fernsehen stattfinden, im Radio, in Zeitungen und Zeitschriften, in Blogs und manchmal sogar auch auf den Flatscreens der U-Bahn. Nicht das Medium ist entscheidend, sondern die Qualität“, sagte Marmor.
Um sie zu sichern und zu optimieren, habe der NDR bereits seit langem einen redaktionsübergreifend recherchierenden Reporterpool eingerichtet. Der Name des Senders sei mit investigativen Fernsehmagazinen wie “Panorama” oder “Zapp” verbunden.”
Quelle: NDR
Ach ja? Hier ein etwas älteres Beispiel aus der Zeit, bevor es den bloggierer gab:
Beim NDR-”Qualitätsmagazin” “Panorama” wurde also nach der Ausstrahlung des Werbeclips für Filtersoftware sogar das Kommentarforum geschlossen, Anfragen an den Indendanten des Senders und den Rundfunkrat abgebügelt. Selbst die im Beitrag gezeigten Spieler (wie klar zu sehen ist, nicht gerade die Hellsten ihrer Zunft und damit natürlich genau die richtigen für im “BILD”-Stil arbeitende Magazine wie “Panorama”) beschwerten sich über manipulative Schnitte.
Resultat: Dasselbe wie zuvor schon bei “Frontal 21″ & Co. Zehntausende wütende 15-jährige Gamer, die alle genau wissen, dass “Panorama” da recherchefrei etwas Hetzerisches zusammengelogen und -manipuliert hatte. Und genau das auch geneigt sein werden zu glauben, wenn “Panorama” (oder “Frontal 21″) mal wieder über Nazi-Umtriebe berichtet und der Glatzenkumpel behauptet, das sei alles nur Lüge und Manipulation. Aber das hält man beim NDR wohl für eine zu vernachlässigenden Nebeneffekt.
Man ist – zur weiteren Erhöhung der Qualität des eigenen Journalismus’ – vielmehr damit beschäftigt, die nächste TUI-Werbesendung vorzubereiten – dazu demnächst vielleicht mehr.
Wer sich fragt, was der NDR…
…mit den Gebühren anstellt, wenn er nicht gerade mehrstündige Prime-Time-Dauerwerbesendungen für Touristikunternehmen im “werbefreien” Dritten macht:

Gute Gesellschaft.
Warum nach etwas fragen…
…wenn doch eigentlich alles schon klar ist:

Wer in der Krise cool bleiben kann

Entlarvender kann man eine Allensbach-Umfrage wohl nicht präsentieren.
Trashwortschöpfung des Tages (I)
Spontane Trashwortschöpfung:
“Die Schulleitung löste sofort Amokalarm aus und informierte die Polizei.”
http://www.tagesschau.de/inland/fahndung100.html
Inzwischen ist der Artikel dort verschwunden (oder Opfer der katastrophalen Navigation geworden).
Erinnerte fast an die “Einheit von Eliteingenieuren aus Wien”, über die das ZDF schon 2002 berichtete…
Die schönsten Meldungen (I)
Die Stunde der Nachrichtenkanäle schlägt immer dann, wenn Außergewöhnliches passiert und viele das Bedürfnis verspüren, die weitere Entwicklung der Ereignisse live zu verfolgen. Einen Sender freut das natürlich insgeheim, aber ein einigermaßen verantwortungsvoller Journalist würde sich diese Freude wenigstens nicht anmerken lassen, um nich als Zyniker entlarvt zu werden.
Es geht aber auch anders. Gestern, am 6. April um ca. 17:30, konnte bei “NDR Info” ein Redakteur offensichtlich seine Begeisterung doch nicht mehr zügeln – und erklärte den Hörern das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Italien (laut sueddeutsche.de bislang 200 Tote, 1500 Verletzte, mehr als 10000 Obdachlose) mit folgender Wortschöpfung:
“Super-XXL-Erdbeben”
Falls nicht sofort ersichtlich: Hierbei handelt es um eine “Hintergrundinformation zu den wichtigsten Themen aus Politik und Zeitgeschehen” (“NDR Info”, “Wir über uns”).
Kleiner Tipp: Texte in Zukunft besser auf versehentlich übernommene interne Bezeichnungen abklopfen, sonst merkt noch jemand was.
Zähneknirschend vernünftig entscheiden müssen…
“Flugsicherung bleibt Hoheitsaufgabe
Die Bundesregierung gibt ihre umstrittenen Pläne zur Privatisierung der Flugsicherung auf. [...] Der Verkauf des bundeseigenen Unternehmens mit rund 5300 Mitarbeitern war zuvor bereits mehrfach ins Stocken geraten – zum ersten Mal im Herbst 2006, als Bundespräsident Horst Köhler ihn wegen verfassungsrechtlicher Bedenken stoppte. Nach den Plänen der Bundesregierung sollten 74,9 Prozent des Betriebs an private Anteilseigner verkauft werden. Als Kaufinteressenten galten neben einem Konsortium deutscher Fluggesellschaften auch internationale Finanzinvestoren.”
http://www.tagesschau.de/inland/flugsicherung100.html
Wäre Vielflieger Köhler nicht damals beim Gedanken an eine McFlugsicherung selbst mulmig geworden, würde dieser Bereich heute bereits längst von Investoren betrieben und müsste bei den ersten (absehbaren) Problemen – gerne auch mit Verlust – zurück gekauft werden. Hier wurde es ja vorgemacht.
Dabei drängt sich eine Frage auf: Was hätte in den letzten Jahren eigentlich noch alles verhindert werden können? Sprich: Was wäre dem Steuerzahler an Geld (und mir an Nerven) erspart geblieben, wenn Köhler die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung ebenso hoch eingeschätzt hätte wie sein eigenes Sicherheitsbedürfnis beim Fliegen? Wenn er also kein Mann der Wirtschaft wäre, den an Hartz IV nur störte, dass es “nicht ausreichend” sei, und er viele andere wirtschaftsfreundliche Gesetze nicht einfach durchgewunken hätte?
